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AGV München

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Ledererstr. 5
München, 80331 Deutschland

Dem AGV gehört die „Scholastika“, ein repräsentatives Gebäude im Stadtkern, welches eine der größten privaten Bühnen Münchens beherbergt.

Den frühesten Nachweis für das Bauwerk an der Lederergasse östlich neben dem Pfisterbach und dem herzoglichen Zerwirkgewölbe am anderen Ufer gegenüber liefert das Stadtmodell des Drechslers Jakob Sandtner aus Straubing. Darin zeigt sich das Haus als schlichter Baukörper, parallel zum Pfisterbach, als zweistöckiges Giebelhaus. Es ist fünf Achsen breit und von beiden Giebeln her erschlossen; ein Zugang von der Längsseite ist nicht zu erkennen. Das Haus wurde spätestens seit diesem Zeitpunkt schon als Thürlbad bezeichnet. Auf eine Nutzung als Bad weist auch hin, dass es bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts (1848) vorwiegend im Besitz von Wund- und Landärzten oder Badern war. Für das Thürleinbad ist allerdings auch ein stark vertieftes Becken im Untergrund nachgewiesen, das bei Abbruch des Hauses 1914 zutage kam.

1863 erwarb Johanna Hoermann, Privatierswitwe von Bogenhausen, das gesamte Anwesen (Lederer- und Münzstraße) sowie ein Servitut, das sie berechtigte, ein Café zu führen, und die Bewilligung, dieses in dem Anwesen auszuführen. Besitz und Servitute kaufte 1868 Therese Weber, Privatierswitwe aus Großhadern, die das Haus schon einmal besessen hatte, zurück und veräußerte alles 1872 unter dem Namen „Cafe Scholastika“ an Peter und Barbara Semmelmaier aus Mehring (Bez. Friedberg). Zwei Jahre später verpachteten diese das Servitut für den Betrieb des Cafés für ein Jahr an den Münchner Gastwirt Christian Bonnet. Nach dem Tode ihres Mannes 1879 verkaufte Barbara Semmelmaier am 15. Dez. 1881 den ganzen Besitz einschließlich der Servitute an eben jenen Christian Bonnet und seine Frau Maria, Hotelpächtersgatten. Nachdem ihnen erlaubt worden war, die Lizenz für das Café umzuwandeln in eine Erlaubnis für eine Schankwirtschaft, wurde an dieser Stelle fortan die Wirtschaft „Zur Scholastika“ mit einem Wirtsgarten geführt.

Der Philisterverband erwarb 1890 das Vorläuferhaus des heutigen Vereinshauses, um endlich zu gesicherten Möglichkeiten für die Abhaltung eines erfolgreichen Vereinslebens zu kommen und den häufigen Wechsel des Vereinslokals zu beenden. Die bisherigen Eigentümer, die Eheleute Bonnet, übergaben am 1. Juni 1890 an den Philisterverband das Wohnhaus mit dem Recht, darin ein Speiselokal führen zu dürfen. Die erste und größere Baumaßnahme war die Errichtung eines zweigeschossigen Saalanbaus. Dafür musste der Biergarten weichen, das Grundstück war damit vollständig überbaut. Der Saal hatte eine Felderdecke und darin im Zentrum eine rechteckige verglaste Lichtkuppel als Eisenkonstruktion, seitlich zu ebener Erde eine Kegelbahn und darüber eine Galerie für den Saal. Im nördlichen Teil des Anbaus war ein Podium vorgesehen mit Nebenraum und einer Treppe ins Untergeschoß sowie einem Ausgang zur Münzstraße.

Damit hatte der AGV jetzt einen eigenen Saal für etwa 250 Personen, wo viele der im Semester stattfindenden Veranstaltungen wie Kneipen und Kommerse stattfinden konnten. Das Erdgeschoss des Wohngebäudes blieb weiterhin unverändert das öffentliche Restaurant Scholastika mit dem Eingang von der Ledererstraße her. Über den Steg entlang des Pfisterbaches konnte man weiterhin in das Treppenhaus gelangen, worüber die oberen Etagen des Hauses erreichbar waren. Im ersten Obergeschoß befanden sich das Gesellschaftszimmer, ein Sitzungszimmer und das Philisterium des Philisterverbands sowie ein Raum, der der Künstlergesellschaft „Hölle“ vermietet war. Im zweiten Obergeschoß befanden sich zwei fremdvermietete Wohnungen. Es ist anzunehmen, dass auch das Dachgeschoß genutzt war.

Großer Saal der Scholastika während der Bauarbeiten im Wintersemester 1914/1915

Der Magistrat der Stadt entwickelte 1907 den Plan, den Pfisterbach von der Münzstraße bis fast zum Hofgraben, wie bereits im vorderen Teil geschehen, zu überwölben. Dieses Vorhaben war für den Bestand der Scholastika von entscheidender Bedeutung. Damit nämlich war schon zwangsläufig eine Neufestlegung der Baulinien verbunden, da die Sparkassenstraße in gleicher Breite fortgesetzt werden sollte. Einerseits war dies für das Haus mit einer deutlich verbesserten Erreichbarkeit verbunden, aber andererseits auch mit einer Beschneidung der Grundstücksgröße, denn die Baulinie wurde im Mittel um 1,40 m zurückgenommen. Das an sich schon nicht sehr breite Grundstück wurde damit für die Zwecke des Philisterverbandes und das beabsichtigte Raumprogramm nahezu unbebaubar. Als sich die Möglichkeit ergab, das Nachbaranwesen Ledererstraße 24 zu erwerben, griff der Verband zu und erwarb im Dezember 1910 das Haus. Am 20. Juni 1911 stellte Vorstand von Rasp auf einer Mitgliederversammlung nach dem Stiftungsfest zwei Entwürfe vor für den Bau eines neuen Vereinshauses.

Nach einigen vorbereitenden Arbeiten wurde Ende Juli 1914 mit dem Abbruch der Alten Scholastika begonnen, der Anfang September abgeschlossen war. Im November wurde das Mauerwerk im Bereich des Erdgeschosses erstellt, dem dann Ende November noch die Umfassungsmauer des Zwischengeschosses folgte. Es gab offenbar keine Unterbrechung durch winterliche Temperaturen, denn schon Anfang Januar wurden die Mauern des zweiten Stockes aufgeführt und die Abgleichung für das Dach hergestellt, sodass Ende Januar bereits damit begonnen werden konnte, den Dachstuhl aufzustellen. Im Mai 1915 begannen die Putzarbeiten zunächst im Keller und zogen sich bis Ende April hin, dann standen die Außenputzarbeiten an, die Mitte Juni abgeschlossen werden konnten. Für Juli sind die inneren Ausbauarbeiten erwähnt.

Im ersten Stock des Hauses befindet sich heute das Wohnheim der Verbindung, im zweiten Stock Aufenthaltsräume und im dritten Stock der große Saal mit einer der größten Privatbühnen Münchens.